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Space Shuttle

Professor Dr. Jochen Hinkelbein, Geschäftsführender Oberarzt und Bereichsleitender Oberarzt der Notfallmedizin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, über sein Space Shuttle.

Schon mit vier Jahren hatte ich einen Traum, den ich heute auch noch habe. Ich wollte zum Mond – mit einer Rakete und einem Raumschiff. Damals im Jahr 1978/79 – es war die Zeit des ersten Starts einer Ariane 1 Rakete der European Space Agency (ESA), des kontrollierten Wiedereintritts der US-Raumstation SkyLab und die Zeit in der das revolutionäre Konzept „Space Shuttle“ an die NASA erstmals ausgeliefert wurde. Es war die Zeit der Raumsonden Voyager und Pioneer, von Mutter Teresa, Ayatollah Khomeini und Margaret Thatcher. Das Shuttle „Columbia“ flog zu der Zeit nahezu regelmäßig in den erdnahen Orbit, vier weitere Space Shuttles (Challenger, Discovery, Atlantis und Endeavour) folgten in den weiteren Jahren.

Meine Begeisterung für die bemannte Raumfahrt hielt auch während der Grundschulzeit an und ich sammelte alles an Informationen über das Weltall, was ich bekommen konnte (es gab noch keine Computer für den privaten Gebrauch!). Mein Opa Erwin war sehr geschickt im Umgang mit Holz und hat mir dann im Jahr 1984, weil ich mich so sehr für Fliegen und Raumfahrt interessiert habe, ein Space Shuttle aus Holz zu Weihnachten gebaut, das dem Original in nichts nachstand. Bemalt hatte es u.a. auch meine Mama. Es hatte Räder, Triebwerkauslässe und sogar eine Ladebucht zum öffnen – ganz wie das Original. Kommerziell konnte man so etwas damals noch gar nicht kaufen.

Am 21. Juli 2011 war die letzte Landung des Space Shuttles „Atlantis“. Seither sind alle in US-amerikanischen Museen als Exponate ausgestellt. Einen live-Start eines Space Shuttles habe ich leider nicht gesehen. Aber auch heute noch hat das Space Shuttle „Columbia“ von meinem Opa einen ganz besonderen Platz zuhause und war nicht nur ein Geschenk, es ist nicht nur Holz, es ist ein Stück meiner Kindheitsträume.

Im Jahr 2008 habe ich selbst an der europäischen Astronautenauswahl teilgenommen, bin aber unter den 8.413 Bewerbern leider nicht genommen worden. Kein Beinbruch – ich glaube, meine Lebensgefährtin Franzi kann so auch besser schlafen. Auf die Schwerelosigkeit musste ich jedoch nicht verzichten. In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich habe ich nun eigene Forschungsprojekte (Proteinexpressionsanalyse von Zellen in der Schwerelosigkeit), die eine Teilnahme an Parabelflügen notwendig machen. 

Selbst bin ich seit wenigen Jahren Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM), Schatzmeister der European Society of Aerospace Medicine (ESAM) sowie Fellow des Aerospace Medical Association (AsMA). In Zusammenarbeit mit der European Space Agency (ESA) und dem European Astronaut Centre (EAC) sowie mit der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Köln trainiere ich heute alle Europäischen Astronauten der ESA, um sie notfallmedizinisch fit zu machen für den Einsatz im Weltall, für die Internationale Raumstation ISS und ggf. für einen Flug zum Mond oder Mars. So faszinierend das Weltall und der Aufenthalt in Schwerelosigkeit ist, größere und kleinere Notfälle kann es auch dort geben – und dafür muss man sehr gut vorbereitet sein. Und Franzi begleitet regelmäßig die Europäischen Astronauten nach der Rückkehr aus dem Weltall als „Flight Nurse“ und gelernte Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin von Kasachstan nach Köln.

Mein Traum ging also in Erfüllung – vielleicht nicht ganz genau so, wie ich es mir 1978 vorgestellt hatte – aber zumindest fast!